Franz-Haniel-Gymnasium

Duisburg-Homberg

 
 

Untersuchungen des Biologie GK auf der Rungenberg Halde

Vom Smartboard zum Exkursionsort

Die interessierten Biologieschüler des Franz-Haniel-Gymnasiums haben am 10.10.2019 einen Vormittag in der Natur verbracht, um ihr theoretisches Wissen in Zusammenhang mit der Realität zu setzen. Die Biologieschülerinnen und -schüler besuchten zusammen mit ihrem Lehrer Herrn Immig eine Bergehalde.

Für den Aufenthalt benötigten sie einen festen Standort, welcher von dem rollenden Klassenzimmer "Lumbricus – Der Umweltbus" zur Verfügung gestellt wurde. Ein Vorteil des rollenden Klassenzimmers ist die besonders gute Ausstattung, welche Sachbücher sowie Geräte, um verschiedene Untersuchungen durchzuführen, zur Verfügung stellt. Hier traf die Lerngruppe außerdem auf Herrn Hartwig, welcher für die Naturschutzakademie Recklinghausen arbeitet und ihr im Laufe des Tages viele Sachen erklärte und beibrachte.

Bei dem zu erforschenden Biotop handelte es sich um einen Lebensraum aus zweiter Hand, was bedeutet, dass vor der Renaturierung des Gebietes dieses für andere Zwecke genutzt wurde, in dem Fall für die Hüttenindustrie (Kohleabbau). In der Nähe der Horster Straße und der Siedlung Schimmelbergstraße erstreckt sich die Rungenberg Halde, wo ehemals die Zeche Hugo war, deren Abraumhalde renaturiert worden war.

Die Exkursion lief in verschiedenen Arbeitsgruppen ab:
Zum einen das "Kennenlernen" des Standorts und der Umgebung. Im Frontalunterricht wurde hier, auch unter Verwendung einer digitalen Karte, da der Bus mit einer entsprechenden Anlage online gehen konnte, besprochen, wie das Exkursionsgelände beschaffen war und dass die belasteten Böden der Halde größtenteils aus Bergematerial bestehen. Darüber hinaus wurde das Biomassewerk angesprochen, welches als Versuchsanstalt zur Energiegewinnung mit Hilfe von pflanzlichen Rohstoffen dient (Forstwirtschaft).

Die darauf folgende Phase beinhaltete einen Teil der praktischen Arbeit. Hier wurden unter freiem Himmel verschiedene Arbeitsaufträge bearbeitet und so Informationen über das Gebiet gesammelt. Diese Aufträge wurden Gruppen von Schülern zugeteilt.

Der Boden wurde von einer Gruppe von 6 SchülerInnen untersucht. Hier wurden mit Hilfe von mit dem Pürckhauer gewonnenen Bohrkernen die drei verschiedenen Schichten (a, b und c - Horizonte) heraus präpariert und der pH-Wert der jeweiligen Schichten ermittelt.

Als zweites war es von Bedeutung, mikroklimatische Messungen vorzunehmen, also die abiotischen Faktoren zu untersuchen. Es wurde die Bodentemperatur und die Luftfeuchtigkeit gemessen. Hierbei benötigten die Schüler unter anderem ein Anemometer (Windmesser).

Eine weitere Aufgabe bestand darin, die Vegetation zu untersuchen und, wo möglich, zu bestimmen. Es wurde eine recht große Anzahl an Pflanzen gesammelt.

tl_files/fhg/faecher/bi/exkursion2019/exkursion2019-1.jpgFür die Arbeitsphase wurde die Halde in drei Bereiche unterteilt, welche sich in der Höhe unterschieden (unten, Mitte und oben).  Die Analysen wurden an jedem Standort durchgeführt.

Die nächste Phase, die Auswertung, wurde ebenfalls in den jeweiligen Gruppen gelöst.

Die Bodengruppe erstellte für die jeweiligen Messungen Diagramme (siehe Bilder), zum Beispiel im Hinblick auf den pH-Wert. Dieser unterschied sich in den einzelnen Höhenlagen. Der untere Standort (erster Standort) besaß einen recht hohen pH-Wert, war also eher basisch. Diese Tatsache  lässt sich mit dem hohen Anteil des Mullhumus begründen. Somit ist die unterste Bodenschicht besser entwickelt. Vermutlich ist dies auf die Laubzersetzung zurückzuführen.

Auf halber Höhe ist der pH-Wert fast neutral. Dadurch, dass er ansatzweise neutral ist, brauchen die Pflanzen keinen zusätzlichen Kalk. Außerdem tritt an einzelnen Stellen auf dem Weg nach unten Schuttmaterial  an die Oberfläche. Dieses Auftreten ist auf die Wassererosion zurückzuführen.

Oben ist der Boden karger, daher ist der pH-Wert aufgrund des Bergematerials sauer.

Aus den mikroklimatischen Messungen ergaben sich folgende Ergebnisse: Oben ist das meiste Licht (heller Standort), die höchste Luftfeuchtigkeit und die höchste Windgeschwindigkeit zu finden. Diese drei Punkte schwächten sich immer mehr ab, je niedriger die Standorte lagen. Dieses Phänomen bestätigt die Vermutung, dass mehr Pflanzen (insbesondere Bäume) für ein schattigeres und windstilleres Mikroklima verantwortlich sind.

tl_files/fhg/faecher/bi/exkursion2019/exkursion2019-2.jpgDie drei Gruppen zur Bestimmung der Pflanzenwelt ermittelten die unterschiedlichen Tendenzen der Vegetation in den drei Höhenlagen. Hier waren die Zeigerwerte nach Ellenberg eine wesentliche Hilfe. Diese wurden den Schülern mittels eines Buches mit einer Liste von Pflanzen zur Verfügung gestellt. Die Zeigerwerte zeigen die Standortbedingungen der Pflanzen an und wurden für jede gesammelte Pflanze nachgeschlagen und den Höhenlagen zugeordnet.

Pionierpflanzen wie die Birke Betula pendula beispielsweise hatten eine hohe Lichtzahl, Temperaturzahl und Feuchtigkeitszahl.

Im unteren Bereich gab es Sanddorn-Sträucher. Jedoch ist dies nicht erwartungsgemäß, weil diese eher an Standorten mit Bedingungen, wie sie im oberen Bereich zu finden sind, wachsen sollten. Eine Vermutung ist, dass Gärtner diese Pflanze dort angepflanzt haben.

Als letzte Phase der Exkursion wurden die Ergebnisse von den Schülergruppen in kurzen Vorträgen vor dem Plenum im warmen Schulbus Lumbricus präsentiert.

Zusammenfassend festzuhalten ist, dass es sich bei der Halde Rungenberg um einen Standort mit reicher Flora und Fauna handelt. Eine  ursprünglich industrielle Fläche dient heute der Naherholung. Hieran ist der Strukturwandel des Ruhrgebiets (Raum zwischen Moers und Hamm) deutlich zu erkennen.

für den Biologiekurs: Mia B.